Samstag, 29. Juni 2013

Social Media - Community


Der Begriff der "Gemeinschaft" oder "community" wurden besonders in den Anfangszeiten der sozialen Medien bzw. der Portale, die auf "community building" setzten, häufig benutzt. Es fällt auf, dass der Begriff heute nicht mehr so gebräuchlich ist. Woran kann das liegen?

Geht es bei Twitter, Facebook, usw heute etwa nicht mehr um "community building" oder den Austausch von Kommunikation innerhalb der Gemeinschaften und Interessengruppen?

Der soziologische Begriff der Gemeinschaft wurden vor allem von Ferdinand Tönnies geprägt, der ihn im Zusammenhang mit Gesellschaft gebrauchte, um diese Dichotomie als zentralen Forschungsgegenstand der Soziologie zu charakterisieren. Die Gemeinschaft wurde schon vor Tönnies als dem Menschen wesensgebundene Gesellungsform zugedacht. Dabei ging es und geht es auch heute noch um einen sozialen Zustand gefühlsmässiger Zusammengehörigkeit. Doch nicht nur gefühlsmäßige Zugehörigkeit, auch Verwandtschaft, ein Dorf oder eine Firma, Glaubensgruppen, Wissenschaftsfelder oder Menschen, die in der Not einander helfen können als Gemeinschaft beschrieben werden. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit kann aber auch auf grundsätzlich negativen Empfindungen oder Kritik beruhen, auch das ist ein geteiltes Interesse.... Also ist es nicht leicht eine allgemein gültige Definition für Gemeinschaft zu finden.

Was wäre heute als eine "online community" zu beschreiben? Kennen Sie solche "online communities", die auf einem geteilten Interesse basieren? Worauf basiert die Zusammengehörigkeit? Sind Sie selbst in einer solchen Online Gemeinschaft aktiv? Sind die Aktivitäten auf das Internet beschränkt, oder überlappen hierbei online und offline?

Eine Definition für "internet communities" geben Feenberg und Bakardjiva (2004): die wichtigsten Merkmale einer Internetgemeinschaft sind: 1) Identifikation mit den gleichen Symbolen und Ritualen 2) Akzeptanz allgemeiner Regeln 3) gegenseitige Hilfe 4) gegenseitiger Respekt 5) authentische Kommunikation. Andere AutorInnen fügen hier noch die technische Platform an, sowie Formen der Profitgewinnung.

Wellman (2002) und andere entwickelten einen anderen Begriff, der ihrer Meinung nach die Situation heute besser beschreibt: "Networked Individualism"
Die Menschen bleiben zwar online verbunden (manchmal auch offline), aber sie haben viel verstreutere Kontakte als früher. Sie können zwischen diesen "Netzwerken" wechseln, je nach Bedarf.

"Networked individualism is a coinage of my co-author. I'm writing a book with a sociologist named Barry Wellman, who -- predating the Internet but certainly in the Internet era -- has talked about people who have much more capacity to act on their own, to solve their problems and organize their lives, but they do it in a networked way. They do it with their friends and their acquaintances. The big thing that the Internet and social networking have introduced to this world is they just let you do it with a larger number of people. There are ways in which now we interact with lots more people and can find out about lots more things because there's just -- it's easy to hunt down and search for, and it's easy to ask for help from a broader array of people. So it's individuals who are acting in a networked way to solve problems, make decisions, get social support and offer those kinds of things -- help people if they're making decisions or seeking emotional support." (Lee Rainie: http://curiosity.discovery.com/question/what-is-networked-individualism )

Was halten Sie von dieser Sichtweise? Erleben Sie das in Ihrem Umfeld auch so?

Manche Autoren warnen vor der Abschaffung der Gemeinschaft, vor dem völlig vereinzelten Internet Narzisten, wie etwa hier: http://www.theatlantic.com/health/archive/2013/03/the-internet-narcissism-epidemic/274336/ . Oder fragen, ob Facebook nicht eigentlich einsam macht: http://www.swr.de/swr2/wissen/facebookforscher/-/id=661224/nid=661224/did=10938808/o7op6b/ 

Wie sehen Sie das?

Social Media - Facebook 3

Facebook, das Assessment Center der alltäglichen Lebensführung (Carolin Wiedemann, 2012)

Vorliegender Post will sich mit dem Artikel von Wiedemann auseinandersetzen.
Gouvernementalitätsanalytische Perspektive? Was ist das?
Wiedemann spricht von Analytik der Gouvernmentalität für die Untersuchung eines Subjektivierungsregimes. Dh. sie untersucht Facebook als ein "Regierungsprogramm".

Gouvernmentalität bezeichnet laut Foucault die "Art und Weise, mit der man das Verhalten der Menschen steuert" (1979:261) jedoch möglichst zwanglos, bzw. der Aspekt des Zwangs wird nicht bemerkbar. Viel eher haben die Menschen das Gefühl sich selbst zu führen.

Mit "Technologien des Selbst" bezeichnet Foucault bewusste und gewollte Praktiken,
"mit denen die Menschen nicht nur die Regeln ihres Verhaltens festlegen, sondern sich selber zu transformieren, sich in ihrem besonderen Sein zu modifizieren und aus ihrem Leben ein Werk zu machen suchen, das gewisse ästhetische Werte trägt und gewissen Stilkriterien entspricht" (1993: 18)

Hier kann man nun den Begriff der Subjektivierung im Sinne Foucaults mit der Tätigkeit der Selbstformung ins Spiel bringen. Was sind die Mechanismen und Prozesse, die Strukturen und Aufforderungen, denen wir alltäglich "unterworfen" sind, wenn wir mit sozialen Medien umgehen? Wie verändern wir uns selbst oder entwerfen wir uns selbst indem wir soziale Medien benützen?

Facebook strukturiert das Verhalten der UserInnen auf spezifische Weisen. Überlegen Sie, welche Strukturen augenscheinlich steuernd eingreifen, und welche vielleicht weniger augenscheinlich sind, eher als soziale Prozesse wahrgenommen werden, und nicht als "Steuerung" durch Facebook.
Wie geht die Autorin Wiedemann an Facebook heran? Was untersucht sie? Welche Schlüsse kann sie daraus ziehen? 

Aus dem Artikel möchte ich noch einige Begriffe herausgreifen:

Wissenstechniken: die Autorin hält fest, dass die Profilbildung bei Facebook auf binären oder skalierbaren quantitativ erfassbaren Unterscheidungen beruht. Hierbei wird laufend standardisiert, die user gleichen sich in der "Veralltäglichung der Testverfahren" ein, und betreiben so in gewisser Weise Selbstoptimierung.

Was halten Sie davon? Welche Art von Selbstoptimierung ist hiermit gemeint? Ist das eine Praxis die sich auch außerhalb von Facebook bemerkbar macht?

Ökonomie der Aufmerksamkeit (Franck 1998)
„Unser täglicher Umgang mit anderen Menschen ist neben all dem, was er noch ist, ein fortlaufender Tausch von Beachtung“ (1998: 76). Und doch, es ist eine ungleichmäßige Verteilung der Beachtung zu bemerken: sogenannte "taste leaders", „die Volkserzieher in der Kultur der Auffälligkeit“ bekommen mehr Beachtung ab. „Je höher [...] die Flut steigt, um so stärker müssen die Dinge einander überschreien. Es ist wie in einem Bierzelt. Wenn alle schon laut reden, muss man auch selber brüllen, um noch gehört zu werden“ (170). Diese Aktivität und Attraktivität setzt „an unserer Empfindsamkeit und an den Wunschvorstellungen direkt“ an, und ist eine „Art Hyperrealismus für die Stielaugen“(173).

Wie ist das in Facebook geregelt? Welche Modalitäten stellt Facebook zur Verfügung um Aufmerksamkeit zu erzeugen und welche Aufforderungen sollen gewährleisten, dass man in dieser Ökonomie adäquat mitmacht? Was bedeutet "Freundschaft" in Facebook?

Siehe dazu:
Michel Foucault: Die Geburt der Biopolitik. Geschichte der Gouvernmentalität 2, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1979
Michel Foucault: Der Gebrauch der Lüste. Sexualität und Wahrheit 2, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1993
Georg Franck: Ökonomie der Aufmerksamkeit, ein Entwurf. Hanser, München, Wien, 1998

Social Media - Facebook 2

Wie kann man Facebook studieren? Welche Fragen kann man anhand des Facebook Studiums stellen? Welche Instrumente braucht man dazu?


Facebook selbst stellt Datenanalysen und Herangehensweisen zur Verfügung:
https://www.facebook.com/data

Welche Fragen werden hier gestellt und beantwortet?

Hier findet sich ein Link zu einem Artikel im MIT Technology Review: What Facebook Knows

Richard Rogers spricht im Artikel: Das Ende des Virtuellen, über "digitale Methoden", die sich dadurch auszeichnen, dass sie nicht bloß digitalisierte Methoden aus dem offline Bereich sind, wie Umfragen, Interviews oder dergleichen, sondern dass sie aus der digitalen Sphäre selbst stammen. Er rät dazu mittels solcher Methoden dem Medium zu folgen, statt es zu fixieren.

Wie könnte man nun mittels digitaler Methoden Facebook untersuchen?

Und welche anderen - nicht genuin digitalen - Methoden könnte man anwenden?

 Wir haben bereits über ein Social Media Tagebuch gesprochen.... was fällt Ihnen dazu noch ein?

Ganz interessant neben Wolfram Alphas Facebook Auswertung, ist auch das socialmedia radar Austria: http://socialmediaradar.at/

Social Media - Facebook 1

Wir werden Social Media exemplarisch anhand von Facebook besprechen. Es ist zwar heute nicht mehr exakt abzugrenzen, was social media ist, und was nicht, da auch Suchmaschinen, wie Google mit sozialen Daten und nach relationalen Logiken funktionieren, doch steht Facebook für eine ganz bestimmte funktionale Idee von Community / Gemeinschaft, die wir in der Folge herausarbeiten wollen.

Zuallererst kommen wir nun zur Beschreibung von Facebook, was ist das überhaupt?

Wie stellt sich Facebook selbst dar?

Was würden Sie sagen? Was ist der Zweck von Facebook wie es die Firma ihren Usern schmackhaft machen will? Damit meine ich jetzt nicht die Werbe- und Datenkunden, sondern uns.

Und warum sind Sie dabei?
Was mögen Sie, was ärgert Sie?
Schreiben Sie ein paar Worte in Form eines Kommentars.

Die nächste Frage ist etwas schwieriger, denn vielleicht nicht so offensichtlich:
was ist Facebook alles noch? Wie stellt sich Facebook gerade nicht dar? Oder wie vermeidet Facebook dargestellt zu werden? Etwa wenn es um Datenweitergabe oder Datenschutz geht. Denken Sie an das Spiel "Data Dealer", dessen Trailer wir in der letzten Einheit angesehen haben.

Kennen Sie "diaspora*"? Ein Blick auf die Website http://diasporaproject.org/ hilft vielleicht auch dabei zu erkennen, was Facebook nicht leisten kann oder will. Beachten Sie besonders den Punkt "Own your data".