Sonntag, 1. September 2013

Big Data und Wahlen: Eine Geschichte der erfolgreichen Daten-Zusammenführung.....

Gerade in der FAZ gesehen:

 ·  Moment der Wahrheit bei Google in Berlin: Ein amerikanischer Wahlkampf-Veteran schildert freimütig, wie sich Daten zur Wählerbeeinflussung nutzen lassen. Und bittet die Datenschützer im Saal, kurz mal Kaffee trinken zu gehen. ....

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/wie-big-data-das-wahlgeheimnis-aushebelt-wir-wissen-wen-du-waehlen-wirst-12553613.html

Donnerstag, 29. August 2013

Das Google Alphabet


Unter folgendem Dropbox Link ist meine Auseinandersetzung mit Google Autocomplete als PDF downzuloaden. Viel Spaß beim durchklicken und ich freue mich über Rückmeldungen.

Das Google Alphabet

Donnerstag, 8. August 2013

Ein Tipp: Serie "Wo das Internet lebt"

Doris Priesching, DER STANDARD, 9.8.2013, schreibt:
"Eine weitere Webserie befasst sich ab Freitag, mit den Funktionsprozessen des Internets: Eineinhalb Stunden verbringen Österreicherinnen und Österreicher täglich im Netz. Wie das Werkl wirklich funktioniert, wissen die wenigsten. Einen Blick ins Innere des Bergwerks wirft ab Freitag auf Arte die Webserie "Wo das Internet lebt" auf future.arte.tv/de. Moritz Metz (Bild oben) reist an zentrale Kreuzungspunkte des Datenhighways: Nach Kalifornien, ins Geburtsland des Internets, nach Gibraltar, in einen Bunker, der Glücksspielserver beherbergt, und nach Frankfurt am Main, wo sich der größte Internetknotenpunkt der Welt befindet.
Im Medienmagazin Breitband im Deutschlandradio Kultur sind Metz' Entdeckungen an den nächsten beiden Samstagen, jeweils um 14.05 Uhr als Livestream nachzuhören. Im Web ist "Wo das Internet lebt" in Form wöchentlicher Multimedia-Slides zu sehen."

Montag, 1. Juli 2013

Über diesen Blog

Die Aufgabe dieses kleinen Blogs ist es, die Seminardiskussion weiterzuführen. Ich bitte die SeminarteilnehmerInnen dieses Angebot anzunehmen, denn nur so kann ich Sie mit einer Note abschließen. Dh. ich wünsche mir von allen mind. einen Kurzkommentar zu jedem meiner Posts (aber wenn möglich auch Reaktionen auf die Posts Ihrer KollegInnen) spätestens bis Ende Juli 2013.

Nach längerem Überlegen habe ich beschlossen keine Folien hier abzustellen, die Sie dann durchsehen, sondern Sie aktiv werden zu lassen, indem ich Sie bitte auf gewisse Positionen zu reagieren. Fragen an Sie sind kursiv gehalten. Bitte reagieren Sie direkt im Kommentarfeld unter den jeweiligen Posts.

Ich hoffe, das trifft Ihre Erwartungen trotzdem und Sie haben auch ein bisschen Spass am themenbezogenen Surfen und Nachdenken.

Mit besten Grüßen
KM

Leaking


Beginnen wir gleich in medias res und zwar mit WikiLeaks.

"WikiLeaks is a not-for-profit media organisation. Our goal is to bring important news and information to the public. We provide an innovative, secure and anonymous way for sources to leak information to our journalists (our electronic drop box). One of our most important activities is to publish original source material alongside our news stories so readers and historians alike can see evidence of the truth. We are a young organisation that has grown very quickly, relying on a network of dedicated volunteers around the globe. Since 2007, when the organisation was officially launched, WikiLeaks has worked to report on and publish important information. We also develop and adapt technologies to support these activities."

Bitte gehen Sie zur Seite http://wikileaks.org/
Dort stöbern Sie bitte mal ein bisschen und suchen Sie sich ein Thema von Interesse. Beschreiben Sie das Thema kurz und erläutern Sie die Art der Dokumente in Stichworten. Ist für Sie transparent, worum es sich handelt, woher die Daten stammen, ...?

In seinem Artikel spricht Stalder von "leakiness" als einer neuen (alten) Form von Zugang. Seit es Medien gibt haben Regime und Gegenregime diese benutzt um Informationen gezielt einzusetzen. Das nennt man auch Informationspolitik. Das gezielte Durchsickern ist jedoch etwas anderes als das eigenmächtige Platzieren von sensiblen Informationen durch die Zivilgesellschaft, die es geschafft hat (relativ) effektive Infrastrukturen für anonymisierte Kommunikation zu schaffen. Und damit hat sich auch der Maßstab geändert. Heute kann man Millionen Dokumente gleichzeitig verfügbar machen. Die Frage besteht darin, ob es Sinn macht. Ob es nicht zielführender ist, die Dokumente vorher zu prüfen, und gewisse Informationen gar zurückzuhalten....

Wir haben es hier mit der Frage zu tun, ob völlige Transparenz in bezug auf problematische Situationen oder Kontroversen wirklich die Lösung ist. Was meinen Sie dazu? 




Im Falle des aufgedeckten Offshore Finanznetzwerkes wurde ein anderer Weg gegangen.
Siehe: http://www.icij.org/offshore oder http://www.sueddeutsche.de/thema/OffshoreLeaks

Hier findet sich eine genaue Beschreibung der Vorgehensweise:
http://www.sueddeutsche.de/kolumne/werkstattbericht-zu-offshore-leaks-wie-computer-forensik-das-offshore-system-entschluesselte-1.1640079

250 GB Daten bestehend aus Emails, PDFs, Bildern, XLS Files, Datenbank usw. wurden von 86 investigativen JournalistInnen in 46 Ländern systematisch aufgearbeitet und analysiert. Dazu musste erst einmal ein privates und sicheres Kommunikationsnetwerk geschaffen werden, sodass die Kollegen sich gegenseitig informieren konnten. Weiters wurde auf so genannte Forensische Systeme zugegriffen (NUIX), deren Aufgabe nicht nur in der Suche nach Information, sondern im Indizieren, Vergleichen, Extrahieren und in der Datenanalyse und im Datenmanagment liegt.
Schlussendlich fand man ca. 122.000 Offshore Firmen, 12.000 Vermittler, 130.000 Individuen in 170 Ländern, die man nun mit diversen Methoden (z.B. Soziale Netzwerkanalyse) weiter analysieren konnte.



Besonders interessant sind aber auch die Files, die im Zusammenhang mit den NSA Leaks aufgetaucht sind. Und zwar die Powerpoint Folien, die in Vorträgen mit bullet points die Überwachungstechniken zusammenfassen. Oder etwa die sehr präzise ausgeführten COMINT Standard Operating Procedures Anleitungen, die Punkt für Punkt das Vorgehen erläutern.

Siehe dazu: http://www.guardian.co.uk/world/the-nsa-files

Nun könnte man untersuchen, wie schnell sich die Nachrichten über "prism" und ähnliche Programme im Internet ausgebreitet haben, und welche user-Gruppen besonders aktiv darüber diskutieren. Wie könnte man dies anlegen, welches soziale Medium würde sich für eine solche Untersuchung wohl am besten eigenen?






Open Data



Bei Open Data handelt es sich um Daten aus Forschung oder Administration, die mittels open access frei zugänglich sind und auch weiterverarbeitet werden dürfen.

Es wird davon ausgegangen, dass durch die Einführung dieser Transparenz für öffentliche oder durch öffentliche Hand geförderte Daten der positive Effekt eintritt, mehr und robustere Ergebnisse zu erzielen. So können viele eher Muster in großen Datensätzen finden, innovative Ansätze ausprobieren, als wenige. So kann neues Wissen geschaffen werden, siehe beispielsweise diesen Artikel.

Es existieren bereits viele solche Open Data Initiativen, wie auch in Österreich:
http://gov.opendata.at/
(hier im Zusammenhang der Open Government Initiative)

Welche Open Data Initiativen sind Ihnen schon begegnet?

Definitionen:

Availability and Access: the data must be available as a whole and at no more than a reasonable reproduction cost, preferably by downloading over the internet. The data must also be available in a convenient and modifiable form.
Reuse and Redistribution: the data must be provided under terms that permit reuse and redistribution including the intermixing with other datasets.
Universal Participation: everyone must be able to use, reuse and redistribute - there should be no discrimination against fields of endeavour or against persons or groups. For example, ‘non-commercial’ restrictions that would prevent ‘commercial’ use, or restrictions of use for certain purposes (e.g. only in education), are not allowed.


Im Artikel von Arzberger et al. werden folgende Prinzipien für erfolgreiche Open Data Projekte angegeben.

Openness
Transparency of access and active dissemination
Assignment and assumption of formal responsibility
Professionalism
Interoperability
Quality
Operational Efficiency
Flexibility
Property
Legality
Accountability
Suchen Sie sich eines der Kriterien heraus und kommentieren Sie indem Sie dessen Bedeutung kurz zusammenfassen und überlegen, ob dies einfach oder schwierig zu erreichen ist.

Apropos der Artikel von Arzberger et al. Dieser ist typisch für einen Artikel im Feld der Politikberatung. Der Stil der Listen und Operationalisierungen wird hier ganz deutlich. Ist Ihnen aufgefallen, wie oft der Begriff "public" hier vorkommt?

global public goods 
mixture of public and private funds 
norms of public science 
public account 
public availability 
public data 
public domain 
public funding 
public good 
public health 
public interest 
public investments 
public knowledge 
public meteorological data 
public policy 
public realm 
public research 
public research data 
public research institutions 
public researchers 
public resources 
public sector 
public users 
public-private partnerships 
publication 
publicly funded research data 
the broader public 
the public 



Sonntag, 30. Juni 2013

Open Access

Open Access bedeutet zunächst einmal "offener Zugang". Der Begriff wurde im Kontext des Publikationssystems wissenschaftlichen Wissens geprägt, und feiert heuer bereits seinen offiziellen 11. Geburtstag. Das Grundproblem bestand (und besteht heute auch noch) darin, dass mit öffentlichen Geldern geförderte Forschung und deren Ergebnisse meist nicht frei zugänglich waren (und sind). Das bedeutet, dass sie meist in Form von Zeitschriftenartikeln oder Büchern zwar verfügbar sind, aber kostenpflichtig, und dass die AutorInnen (die WissenschaftlerInnen) die Verwertungsrechte ihrer Publikationen an Verlage abgeben. Ein offener Zugang bedeutet also demnach, dass solche, durch öffentliche Gelder finanzierte Forschungsresultate, für die Öffentlichkeit ohne weitere Kosten einsehbar sein sollten.

"Open Access meint, dass diese [= die wissenschaftliche, Anm. d. Red.] Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sein sollte, so dass Interessierte die Volltexte lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise benutzen können, ohne finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren jenseits von denen, die mit dem Internet-Zugang selbst verbunden sind. In allen Fragen des Wiederabdrucks und der Verteilung und in allen Fragen des Copyright überhaupt sollte die einzige Einschränkung darin bestehen, den jeweiligen Autorinnen und Autoren Kontrolle über ihre Arbeit zu belassen und deren Recht zu sichern, dass ihre Arbeit angemessen anerkannt und zitiert wird." (Budapester Open Access Initiative)

Ein guter Überblick zum Thema Open Access findet sich hier: http://open-access.net/at_de/

Seit 2002 (Budapest Open Access Initiative) und 2003 (Berlin Open Access Declaration) hat sich einiges getan. Es finden sich unzählige Open Access Repositories und Open Access Zeitschriften im Internet.



Das Thema ist in aller forschungspolitischen Debatten präsent, es wird an Universitäten gelehrt, in Regierungen verabschiedet, und inzwischen auch von den Verlagshäusern (und einer damals angeblich 8 Milliarden Dollar schwerer Industrie) ernst genommen.

So hat die Content-Industrie auch ein neues Open Access Modell vorgeschlagen, das ihren diversen Aufwänden entgegenkommt: den sogenannten "gold standard".

Der "goldene Weg" sieht vor, dass die Verlage gegen eine Abschlagszahlung/Publikationsgebühr der AutorInnen/Institutionen ihren Aufwand renumeriert bekommen und erst so den Inhalt im Internet frei und offen verfügbar machen. Hierbei gibt es verschiedene Geschäftsmodelle, die hier sehr gut beschrieben werden. Doch handelt es sich bei diesem Ansatz um eine erneute Bezahlung, die meist wieder von öffentlicher Hand getragen wird. Aber immerhin ist der Inhalt danach zugänglich.

Der "grüne Weg", oft auch "Selbstarchivierung" genannt, sieht vor, dass die AutorInnen ihre Werke selbst veröffentlichen, entweder als "pre-prints" oder "post-prints".

Wenn nicht konsequent der Weg des Open Access verfolgt wird, dann besteht die Gefahr des "epistemological enclosure" (Tamson Pietsch), der "Einkapselung der Erkenntnis" indem öffentliches Gut systematisch in privaten Profit überführt wird.

Verwenden Sie open access Publikationen? Kennen Sie so genannte open access repositories?




Creative Commons

Commons, das ist das Allgemeingut, das öffentliche Gut. Dieser Begriff wird auch als Name einer bestimmten Lizenzform zur Weitergabe und Verwertung digitaler Inhalte, wie Software oder Content verwendet.

So gibt es beispielsweise die Organisation "creative commons", die solch vorgefertigte Lizenzverträge für kreative Inhalte anbietet.

In folgendem Video stellt die Organisation ihre Werte vor, ihre Idee einer "culture of sharing":

http://creativecommons.org/videos/a-shared-culture
A Shared Culture by Jesse Dylan is licensed under a Creative Commons Attribution-Noncommercial-Share Alike (CC BY-NC-SA) license. 
Weitere Videos finden sich hier: https://creativecommons.org/videos/wanna-work-together

"Creative Commons (CC) ist eine Non-Profit-Organisation, die in Form vorgefertigter Lizenzverträge eine Hilfestellung für die Veröffentlichung und Verbreitung digitaler Medieninhalte anbietet. Ganz konkret bietet CC sechs verschiedene Standard-Lizenzverträge an, die bei der Verbreitung kreativer Inhalte genutzt werden können, um die rechtlichen Bedingungen festzulegen. CC ist dabei selber weder als Verwerter noch als Verleger von Inhalten tätig und ist auch nicht Vertragspartner von Urhebern und Rechteinhabern, die ihre Inhalte unter CC-Lizenzverträgen verbreiten wollen. Die CC-Lizenzverträge werden also von den Urhebern übernommen und in eigener Verantwortung verwendet, um klarzustellen, was mit den Inhalten ihrer Webseiten geschehen darf und was nicht. CC-Lizenzen richten sich als so genannte “Jedermannlizenzen” an alle Betrachter dieser Inhalte gleichermaßen und geben zusätzliche Freiheiten.  Das bedeutet, dass jeder mit einem CC-lizenzierten Inhalt mehr machen darf als das Urheberrechtsgesetz ohnehin schon erlaubt. Welche Freiheiten genau zusätzlich geboten werden, hängt davon ab, welcher der sechs CC-Lizenzverträge jeweils zum Einsatz kommt." 
http://de.creativecommons.org/was-ist-cc/

Die Lizenzverträge sind modular aufgebaut, es gibt bei cc 6 Möglichkeiten diese Module zu verbinden:

Folgende Infografik kann die Entscheidungen für die passende cc Lizenz vielleicht besser erklären:



Infografik: "Creative Commons - Was ist und bedeutet das?" (von Martin Mißfeldt / Bildersuche.org). Diese Infografik darf gerne geteilt / verbloggt werden (CC-BY-SA)

In dem Video von cc aus dem Jahre 2008 wird immer wieder eine Kultur des Teilens angesprochen, die wir durch die immer restriktiver werdenden Rechteverwaltungen verlieren. Auch wird immer wieder der "community" Begriff angewendet. Hierbei geht es also nicht um "networked individuals" (siehe Blogeinträge zu Social Media/Community), sondern im Gegenteil darum, dass einerseits Content und Community sich gegenseitig bedingen, und andererseits, dass eine Gemeinschaft, die eine andere Idee von "intellectual property" vertritt, auch gemeinsam eine solche zum Leben erwecken kann.....


Samstag, 29. Juni 2013

Social Media - Community


Der Begriff der "Gemeinschaft" oder "community" wurden besonders in den Anfangszeiten der sozialen Medien bzw. der Portale, die auf "community building" setzten, häufig benutzt. Es fällt auf, dass der Begriff heute nicht mehr so gebräuchlich ist. Woran kann das liegen?

Geht es bei Twitter, Facebook, usw heute etwa nicht mehr um "community building" oder den Austausch von Kommunikation innerhalb der Gemeinschaften und Interessengruppen?

Der soziologische Begriff der Gemeinschaft wurden vor allem von Ferdinand Tönnies geprägt, der ihn im Zusammenhang mit Gesellschaft gebrauchte, um diese Dichotomie als zentralen Forschungsgegenstand der Soziologie zu charakterisieren. Die Gemeinschaft wurde schon vor Tönnies als dem Menschen wesensgebundene Gesellungsform zugedacht. Dabei ging es und geht es auch heute noch um einen sozialen Zustand gefühlsmässiger Zusammengehörigkeit. Doch nicht nur gefühlsmäßige Zugehörigkeit, auch Verwandtschaft, ein Dorf oder eine Firma, Glaubensgruppen, Wissenschaftsfelder oder Menschen, die in der Not einander helfen können als Gemeinschaft beschrieben werden. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit kann aber auch auf grundsätzlich negativen Empfindungen oder Kritik beruhen, auch das ist ein geteiltes Interesse.... Also ist es nicht leicht eine allgemein gültige Definition für Gemeinschaft zu finden.

Was wäre heute als eine "online community" zu beschreiben? Kennen Sie solche "online communities", die auf einem geteilten Interesse basieren? Worauf basiert die Zusammengehörigkeit? Sind Sie selbst in einer solchen Online Gemeinschaft aktiv? Sind die Aktivitäten auf das Internet beschränkt, oder überlappen hierbei online und offline?

Eine Definition für "internet communities" geben Feenberg und Bakardjiva (2004): die wichtigsten Merkmale einer Internetgemeinschaft sind: 1) Identifikation mit den gleichen Symbolen und Ritualen 2) Akzeptanz allgemeiner Regeln 3) gegenseitige Hilfe 4) gegenseitiger Respekt 5) authentische Kommunikation. Andere AutorInnen fügen hier noch die technische Platform an, sowie Formen der Profitgewinnung.

Wellman (2002) und andere entwickelten einen anderen Begriff, der ihrer Meinung nach die Situation heute besser beschreibt: "Networked Individualism"
Die Menschen bleiben zwar online verbunden (manchmal auch offline), aber sie haben viel verstreutere Kontakte als früher. Sie können zwischen diesen "Netzwerken" wechseln, je nach Bedarf.

"Networked individualism is a coinage of my co-author. I'm writing a book with a sociologist named Barry Wellman, who -- predating the Internet but certainly in the Internet era -- has talked about people who have much more capacity to act on their own, to solve their problems and organize their lives, but they do it in a networked way. They do it with their friends and their acquaintances. The big thing that the Internet and social networking have introduced to this world is they just let you do it with a larger number of people. There are ways in which now we interact with lots more people and can find out about lots more things because there's just -- it's easy to hunt down and search for, and it's easy to ask for help from a broader array of people. So it's individuals who are acting in a networked way to solve problems, make decisions, get social support and offer those kinds of things -- help people if they're making decisions or seeking emotional support." (Lee Rainie: http://curiosity.discovery.com/question/what-is-networked-individualism )

Was halten Sie von dieser Sichtweise? Erleben Sie das in Ihrem Umfeld auch so?

Manche Autoren warnen vor der Abschaffung der Gemeinschaft, vor dem völlig vereinzelten Internet Narzisten, wie etwa hier: http://www.theatlantic.com/health/archive/2013/03/the-internet-narcissism-epidemic/274336/ . Oder fragen, ob Facebook nicht eigentlich einsam macht: http://www.swr.de/swr2/wissen/facebookforscher/-/id=661224/nid=661224/did=10938808/o7op6b/ 

Wie sehen Sie das?

Social Media - Facebook 3

Facebook, das Assessment Center der alltäglichen Lebensführung (Carolin Wiedemann, 2012)

Vorliegender Post will sich mit dem Artikel von Wiedemann auseinandersetzen.
Gouvernementalitätsanalytische Perspektive? Was ist das?
Wiedemann spricht von Analytik der Gouvernmentalität für die Untersuchung eines Subjektivierungsregimes. Dh. sie untersucht Facebook als ein "Regierungsprogramm".

Gouvernmentalität bezeichnet laut Foucault die "Art und Weise, mit der man das Verhalten der Menschen steuert" (1979:261) jedoch möglichst zwanglos, bzw. der Aspekt des Zwangs wird nicht bemerkbar. Viel eher haben die Menschen das Gefühl sich selbst zu führen.

Mit "Technologien des Selbst" bezeichnet Foucault bewusste und gewollte Praktiken,
"mit denen die Menschen nicht nur die Regeln ihres Verhaltens festlegen, sondern sich selber zu transformieren, sich in ihrem besonderen Sein zu modifizieren und aus ihrem Leben ein Werk zu machen suchen, das gewisse ästhetische Werte trägt und gewissen Stilkriterien entspricht" (1993: 18)

Hier kann man nun den Begriff der Subjektivierung im Sinne Foucaults mit der Tätigkeit der Selbstformung ins Spiel bringen. Was sind die Mechanismen und Prozesse, die Strukturen und Aufforderungen, denen wir alltäglich "unterworfen" sind, wenn wir mit sozialen Medien umgehen? Wie verändern wir uns selbst oder entwerfen wir uns selbst indem wir soziale Medien benützen?

Facebook strukturiert das Verhalten der UserInnen auf spezifische Weisen. Überlegen Sie, welche Strukturen augenscheinlich steuernd eingreifen, und welche vielleicht weniger augenscheinlich sind, eher als soziale Prozesse wahrgenommen werden, und nicht als "Steuerung" durch Facebook.
Wie geht die Autorin Wiedemann an Facebook heran? Was untersucht sie? Welche Schlüsse kann sie daraus ziehen? 

Aus dem Artikel möchte ich noch einige Begriffe herausgreifen:

Wissenstechniken: die Autorin hält fest, dass die Profilbildung bei Facebook auf binären oder skalierbaren quantitativ erfassbaren Unterscheidungen beruht. Hierbei wird laufend standardisiert, die user gleichen sich in der "Veralltäglichung der Testverfahren" ein, und betreiben so in gewisser Weise Selbstoptimierung.

Was halten Sie davon? Welche Art von Selbstoptimierung ist hiermit gemeint? Ist das eine Praxis die sich auch außerhalb von Facebook bemerkbar macht?

Ökonomie der Aufmerksamkeit (Franck 1998)
„Unser täglicher Umgang mit anderen Menschen ist neben all dem, was er noch ist, ein fortlaufender Tausch von Beachtung“ (1998: 76). Und doch, es ist eine ungleichmäßige Verteilung der Beachtung zu bemerken: sogenannte "taste leaders", „die Volkserzieher in der Kultur der Auffälligkeit“ bekommen mehr Beachtung ab. „Je höher [...] die Flut steigt, um so stärker müssen die Dinge einander überschreien. Es ist wie in einem Bierzelt. Wenn alle schon laut reden, muss man auch selber brüllen, um noch gehört zu werden“ (170). Diese Aktivität und Attraktivität setzt „an unserer Empfindsamkeit und an den Wunschvorstellungen direkt“ an, und ist eine „Art Hyperrealismus für die Stielaugen“(173).

Wie ist das in Facebook geregelt? Welche Modalitäten stellt Facebook zur Verfügung um Aufmerksamkeit zu erzeugen und welche Aufforderungen sollen gewährleisten, dass man in dieser Ökonomie adäquat mitmacht? Was bedeutet "Freundschaft" in Facebook?

Siehe dazu:
Michel Foucault: Die Geburt der Biopolitik. Geschichte der Gouvernmentalität 2, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1979
Michel Foucault: Der Gebrauch der Lüste. Sexualität und Wahrheit 2, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1993
Georg Franck: Ökonomie der Aufmerksamkeit, ein Entwurf. Hanser, München, Wien, 1998

Social Media - Facebook 2

Wie kann man Facebook studieren? Welche Fragen kann man anhand des Facebook Studiums stellen? Welche Instrumente braucht man dazu?


Facebook selbst stellt Datenanalysen und Herangehensweisen zur Verfügung:
https://www.facebook.com/data

Welche Fragen werden hier gestellt und beantwortet?

Hier findet sich ein Link zu einem Artikel im MIT Technology Review: What Facebook Knows

Richard Rogers spricht im Artikel: Das Ende des Virtuellen, über "digitale Methoden", die sich dadurch auszeichnen, dass sie nicht bloß digitalisierte Methoden aus dem offline Bereich sind, wie Umfragen, Interviews oder dergleichen, sondern dass sie aus der digitalen Sphäre selbst stammen. Er rät dazu mittels solcher Methoden dem Medium zu folgen, statt es zu fixieren.

Wie könnte man nun mittels digitaler Methoden Facebook untersuchen?

Und welche anderen - nicht genuin digitalen - Methoden könnte man anwenden?

 Wir haben bereits über ein Social Media Tagebuch gesprochen.... was fällt Ihnen dazu noch ein?

Ganz interessant neben Wolfram Alphas Facebook Auswertung, ist auch das socialmedia radar Austria: http://socialmediaradar.at/

Social Media - Facebook 1

Wir werden Social Media exemplarisch anhand von Facebook besprechen. Es ist zwar heute nicht mehr exakt abzugrenzen, was social media ist, und was nicht, da auch Suchmaschinen, wie Google mit sozialen Daten und nach relationalen Logiken funktionieren, doch steht Facebook für eine ganz bestimmte funktionale Idee von Community / Gemeinschaft, die wir in der Folge herausarbeiten wollen.

Zuallererst kommen wir nun zur Beschreibung von Facebook, was ist das überhaupt?

Wie stellt sich Facebook selbst dar?

Was würden Sie sagen? Was ist der Zweck von Facebook wie es die Firma ihren Usern schmackhaft machen will? Damit meine ich jetzt nicht die Werbe- und Datenkunden, sondern uns.

Und warum sind Sie dabei?
Was mögen Sie, was ärgert Sie?
Schreiben Sie ein paar Worte in Form eines Kommentars.

Die nächste Frage ist etwas schwieriger, denn vielleicht nicht so offensichtlich:
was ist Facebook alles noch? Wie stellt sich Facebook gerade nicht dar? Oder wie vermeidet Facebook dargestellt zu werden? Etwa wenn es um Datenweitergabe oder Datenschutz geht. Denken Sie an das Spiel "Data Dealer", dessen Trailer wir in der letzten Einheit angesehen haben.

Kennen Sie "diaspora*"? Ein Blick auf die Website http://diasporaproject.org/ hilft vielleicht auch dabei zu erkennen, was Facebook nicht leisten kann oder will. Beachten Sie besonders den Punkt "Own your data".

Samstag, 22. Juni 2013

Digital Methods Initiative Amsterdam


http://www.digitalmethods.net/

Literaturliste

  • Arzberger, P, Schroeder, P, Beaulieu, A, Bowker, G, Casey, K, Laaksonen, L, Moorman, D, Uhlir, P & Wouters, P (2004) 'Promoting Access to Public Research Data for Scientific, Economic, and Social Development', Data Science Journal 3(29 November): 135–152.
  • Berners-Lee, Tim (2010) 'Long live the web', Scientific American(22 November), available at <http://www.scientificamerican.com/article.cfm?id=long-live-the-web> (accessed 1 May 2013 ).
  • Borchers, Detlef (2011) 'Die Wurzeln von Wikileaks', in Wikileaks und die Folgen (Frankfurt am Main: suhrkamp).
  • Feuz, Martin, Fuller, Matthew & Felix Stalder (2011) 'Personal Web searching in the age of semantic capitalism: Diagnosing the mechanisms of personalisation', First Monday 16(2), available at <http://firstmonday.org/ojs/index.php/fm/article/view/3344/2766> (accessed 1 May 2013 ).
  • Kendall, Lori (2013) 'Community and the Internet', in Mia Consalvo & Charles Ess (eds), The Handbook of Internet Studies (Oxford: Wiley-Blackwell).
  • Rogers, Richard (2011) 'Das Ende des Virtuellen: Digitale Methoden', Zeitschrift für Medienwissenschaft 2(5): 61–77.
  • Röhle, Theo (2009) 'Die Demontage der Gatekeeper. Relationale Perspektiven zur Macht der Suchmaschinen', in Konrad Becker & Felix Stalder (eds), Deep Search. Politik des Suchens jenseits von Google (Innsbruck: Studien Verlag).
  •  Star, Susan Leigh (1999) 'The Ethnography of Infrastructure', American Behavioural Scientist 43(3): 377–391.
  • Wiedemann, Carolin (2011) 'Facebook: Das Assessment-Center der alltäglichen Lebensführung', in Oliver Leisert & Theo Röhle (eds), Generation Facebook. Über das Leben im Social Net (Bielefeld: transcript).
  • Ziewitz, Malte & Brown, Ian (2013) 'A Prehistory of Internet Governance', in Ian Brown (ed), Research Handbook on Governance of the Internet (London: Edward Elgar), available at <http://ssrn.com/abstract=1844720> (accessed 1 May 2013).