Hier wollen wir unser Seminar online weiterführen. Sommersemester 2013 http://www.jku.at/content/e262/e242/e2666/e104207/
Samstag, 29. Juni 2013
Social Media - Community
Der Begriff der "Gemeinschaft" oder "community" wurden besonders in den Anfangszeiten der sozialen Medien bzw. der Portale, die auf "community building" setzten, häufig benutzt. Es fällt auf, dass der Begriff heute nicht mehr so gebräuchlich ist. Woran kann das liegen?
Geht es bei Twitter, Facebook, usw heute etwa nicht mehr um "community building" oder den Austausch von Kommunikation innerhalb der Gemeinschaften und Interessengruppen?
Der soziologische Begriff der Gemeinschaft wurden vor allem von Ferdinand Tönnies geprägt, der ihn im Zusammenhang mit Gesellschaft gebrauchte, um diese Dichotomie als zentralen Forschungsgegenstand der Soziologie zu charakterisieren. Die Gemeinschaft wurde schon vor Tönnies als dem Menschen wesensgebundene Gesellungsform zugedacht. Dabei ging es und geht es auch heute noch um einen sozialen Zustand gefühlsmässiger Zusammengehörigkeit. Doch nicht nur gefühlsmäßige Zugehörigkeit, auch Verwandtschaft, ein Dorf oder eine Firma, Glaubensgruppen, Wissenschaftsfelder oder Menschen, die in der Not einander helfen können als Gemeinschaft beschrieben werden. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit kann aber auch auf grundsätzlich negativen Empfindungen oder Kritik beruhen, auch das ist ein geteiltes Interesse.... Also ist es nicht leicht eine allgemein gültige Definition für Gemeinschaft zu finden.
Was wäre heute als eine "online community" zu beschreiben? Kennen Sie solche "online communities", die auf einem geteilten Interesse basieren? Worauf basiert die Zusammengehörigkeit? Sind Sie selbst in einer solchen Online Gemeinschaft aktiv? Sind die Aktivitäten auf das Internet beschränkt, oder überlappen hierbei online und offline?
Eine Definition für "internet communities" geben Feenberg und Bakardjiva (2004): die wichtigsten Merkmale einer Internetgemeinschaft sind: 1) Identifikation mit den gleichen Symbolen und Ritualen 2) Akzeptanz allgemeiner Regeln 3) gegenseitige Hilfe 4) gegenseitiger Respekt 5) authentische Kommunikation. Andere AutorInnen fügen hier noch die technische Platform an, sowie Formen der Profitgewinnung.
Wellman (2002) und andere entwickelten einen anderen Begriff, der ihrer Meinung nach die Situation heute besser beschreibt: "Networked Individualism"
Die Menschen bleiben zwar online verbunden (manchmal auch offline), aber sie haben viel verstreutere Kontakte als früher. Sie können zwischen diesen "Netzwerken" wechseln, je nach Bedarf.
"Networked individualism is a coinage of my co-author. I'm writing a book with a sociologist named Barry Wellman, who -- predating the Internet but certainly in the Internet era -- has talked about people who have much more capacity to act on their own, to solve their problems and organize their lives, but they do it in a networked way. They do it with their friends and their acquaintances. The big thing that the Internet and social networking have introduced to this world is they just let you do it with a larger number of people. There are ways in which now we interact with lots more people and can find out about lots more things because there's just -- it's easy to hunt down and search for, and it's easy to ask for help from a broader array of people. So it's individuals who are acting in a networked way to solve problems, make decisions, get social support and offer those kinds of things -- help people if they're making decisions or seeking emotional support." (Lee Rainie: http://curiosity.discovery.com/question/what-is-networked-individualism )
Was halten Sie von dieser Sichtweise? Erleben Sie das in Ihrem Umfeld auch so?
Manche Autoren warnen vor der Abschaffung der Gemeinschaft, vor dem völlig vereinzelten Internet Narzisten, wie etwa hier: http://www.theatlantic.com/health/archive/2013/03/the-internet-narcissism-epidemic/274336/ . Oder fragen, ob Facebook nicht eigentlich einsam macht: http://www.swr.de/swr2/wissen/facebookforscher/-/id=661224/nid=661224/did=10938808/o7op6b/
Wie sehen Sie das?
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Meiner Meinung nach wird der Begriff „Community Building“ noch sehr häufig beziehungsweise wieder zunehmend benutzt, vor allem weil es schon so viele Möglichkeiten an Plattformen und Gemeinschaften gibt denen man sich anschließen kann, dass sich Initiatoren von solchen wieder mehr Gedanken machen müssen wie eine Gemeinschaft ausschauen kann, diese angesprochen beziehungsweise gehalten wird. Auf Portalen wie Facebook oder Twitter ist vielleicht das Community Building nicht so präsent, da bereits eine sehr große Masse der Gemeinschaft erreicht ist. Es geht also schon noch um den Austausch von Information allerdings denke ich, dass wenn bereits eine gewisse Menge an Mitgliedern erreicht ist, auch andere Komponenten wie Gruppenzwang und dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit etc. eine Rolle spielen.
AntwortenLöschenEin Beispiel für eine Internet Community bei der ich (noch) nicht Mitglied bin ist OWASP (Open Web Application Security Project), das gemeinsame Interesse ist hier das sichtbarmachen von Software Sicherheit. Bei dieser Gruppe besteht die Zusammengehörigkeit hauptsächlich durch Interesse und sie wird durch verschiedene Möglichkeiten unterstützt zum Beispiel durch Blogs, Datensammlungen, Projekte ... Die Aktivitäten sind nicht auf das Internet beschränkt, da auch lokale OWASP Chapters angeboten werden, bei denen sich Mitglieder treffen.
Der Sichtweise von „Networked Individualism“ kann ich grundsätzlich zustimmen, ich bin mir nicht sicher ob man im Moment den Individualismus und die Gemeinschaften schon klar trennen kann, aber ich erlebe in meinem Umfeld auch immer mehr den Trend zum Individualismus. Durch Facebook wird dieser Trend im Prinzip auch unterstützt, da man zwar vernetzt mit anderen, letztendlich sich selbst darstellt. Ich persönlich finde dass die Mischung die wahrscheinlich beste Lösung ist, da man sich zum einen in Gemeinschaften bewegen kann, wenn man konkret einer Interessensgruppe zugehören will und zum anderen auch die Vorteile von vernetzten Individuen nutzen kann, wenn man zum Beispiel eine oberflächliche Frage zu irgendeinem Thema an eine möglichst breite Masse stellen möchte.
Ich denke, dass der Begriff Social Media jenen der sozialen Gemeinschaft/Community in einer gewissen Art und Weise abgelöst hat, ohne jedoch etwas anderes darunter zu verstehen. Das ist bedingt durch die in den Medien veranschaulichte Bedeutung der sozialen Netzwerke innerhalb des Mediums Internet. Natürlich geht es bei diesen Communities vordergründig um den sozialen Austausch durch Unterstützung des Mediums Internet, sowie um den Aufbau sozialer Identitäten und Beziehungen. Somit werden Kontakte aus der realen Welt im virtuellen Netzwerk geplegt und ausgebaut. Zudem gibt es Menschen, welche gezielt darauf aus sind soziale Kontakte sogar über Social Media Plattformen zu knüpfen um diese aufzubauen.
AntwortenLöschenEine allseits bekannte online Community ist Facebook. Sie basiert auf dem Grundprinzip, dass User ihre Interessen und getätigten Aktivitäten miteinander teilen wollen und zudem miteinander interagieren wollen. Die Zusammengehörigkeit resultier meiner Meinung nach auf Grund der Homogenität der Gruppenmitglieder innerhalb gewisser Gruppen (gleiches Interesse bzw gleiche Denkweisen bindet die Mitglieder der Gruppen aneinander). Zudem kann dieses eine Folge aus realen Beziehungen sein, welche auf virtuelle Beziehungen einwirken. Persönlich denke ich, dass die Dinge bei weitem nicht auf die virtuelle Umgebung beschränkt sind sondern in ständiger Wechselwirkung mit der realen Umwelt stehen. Man bewegt sich ja nicht ständig in der virtuellen Umwelt, sondern erfährt primär Informationen auch über primär abgehaltene Kommunikation. Einer Überlappung der Online/Offline-Aktivitäten ist somit unumgänglich. Dennoch muss klar sein, dass SM-Plattformen heute mehr denn je die Attribute einer realen face2face-Kommunikation imitieren und den User immer mehr in Versuchung führen der virtuellen Kommunikation Glauben zu schenken. Das kommt daher, da die von Feenberg und Bakardjiva bereits 2004 angeführten Merkmale in heutigen Online-Communities mehr denn je ausgeprägt sind.
Das Internet bringt sicherlich mehr denn jedes andere Medium die Möglichkeit mit sich, sich individuell zu entfalten und als Co-Autor tätig zu werden. Während man früher von einzelnen Medien (zb. TV-Sender) rezipiert haben beträgt die zugängliche Informationsmenge eine bei weiterem Breite. Je nach aktuellem Bedarf wechselt man den Zugang zum jeweiligen Medium und bildet sich aus vielen Informationsquellen in Summe eine eigene persönliche Meinung. Dennoch muss man stets bedenken dass mit der Fülle der Information auch deren Qualität darunter zu leiden hat, weshalb man die quantitativ umfassende Information filtern muss, um erkennen zu können, welche Information denn wirklich relevant ist. Des Weiteren ist der User heute nicht mehr nur Rezipient sondern tritt innerhalb der wechselseitigen Kommunikationsschleife mehr denn je als Kommunikator auf. Durch diese wechselnde Rolle und die wechselnden Kommunikationspartner und Medienzugänge ist es jedem User möglich sein Handeln in sozialen Medien individuell zu gestalten. Betreffend auf meinen Freundeskreis kann gesagt werden, dass im Grunde die Regeln nach Feenberg und Bakardjiva zutreffend sind, jedoch nie alle Menschen auf Grund derselben Intention ein Medium nutzen. So mal man auch bedenken muss, dass es immer noch Kritiker gibt welche negative Auswirkungen der sozialen Netzwerke fürchten und diese daher meiden.
AntwortenLöschenMir war auch vor dem Lesen der jeweiligen Artikeln bereits bewusst, dass die Persönlichkeit der jeweiligen User ausschlaggebend für deren Handeln bedingt durch die Nutzung der sozialen Netzwerke hat. So reagieren Personen mit narzisstischen Neigungen in virtuellen Umgebungen deutlich anders und können zudem deren Verhalten mehr oder minder steuern bzw zurückhalten.
Ich denke dass besonders bei jungen Menschen Phänomene wie Gruppenzwang und Gruppenidentifikation mehr als früher online anstatt offline stattfinden, wodurch besonders bei dieser Altersgruppe die sozialen Medien eine besondere Rolle spielen werden. Facebook selbst unterstützt zumals diesen Trend da es das vernetzen mit gleichgesinnten und das zusammengruppieren zu Gruppen fördert. Dies hilft der individuellen Darstellung eines darzustellenden Fremdbildes der eigenen Person und bedingt den Ausschluss von gewissen anderen sozialen Gruppen von externer Seite (bsp. In einer Klasse gibt es 2 Haupt-Gruppierungen wobei eine Kombination verschiedener Attribute des Schülers automatisch zum Ausschluss aus einer der beiden Gruppen führt).
AntwortenLöschenIch denke schon, dass es auch bei Facebook & Co noch teilweise um die Community-Bildung geht, dennoch steht hier sicher auch die Selbstdarstellung sehr im Vordergrund. Ich finde zudem nicht, dass Facebook aus einer großen Community besteht, sondern eher aus vielen kleinen, die sich wiederum durch die Gruppen mit gemeinsamen Interessen sichtbar machen. Natürlich befolgen alle die „gleichen“ Regeln, die ja von Facebook vorgegeben sind, dennoch bilden sich auch hier Interessensgruppen bzw. ist jeder durch seinen Freundschaftskreis in einer Art eigenen Community.
Die Definitionen für eine „internet community“, wie sie von Freenberg beschrieben werden, treffen durchaus aber auch heute noch zu. Beispielsweise stellt Wikipedia für mich so eine Community dar.
Dennoch finde ich auch die Ansicht des „Networked Individualism“ durchaus zutreffend. Auch ich kann das in meinem Umfeld feststellen, etwa auf Facebook, Twitter & Co. Wichtig ist hierbei oft, so viele Kontakte wie möglich zu knüpfen, sozusagen zu „netzwerken“. Dieses „Netzwerken“ hat schließlich heutzutage vor allem berufliche Vorteile.
Gänzlich getrennt können jedoch die Begriffe „Community“ und „Individualism“ dennoch nicht, da immer irgendeine Gemeinschaft dahinter steckt.
Interessant im Bereich der Community Bildung ist auch, dass es hier verschiedene Arten gibt, so sind manche zum Beispiel kommerziell (ein Unternehmen steht dahinter), andere wiederum methodenorientiert (Wiki Community). Für mich haben methodenorientierte Communities mehr Gemeinschaftsfaktor, da es hier den Usern mehr um das gemeinsam Erschaffen von Inhalten, usw. geht.
Communities haben bestimmte bestehende gemeinsame Interessen im Vordergrund. Sie rufen bei den Beteiligten, wie von Lori Kendall in Community and the Internet beschrieben, Zugehörigkeit, Unabhängigkeit, Support, Zuneigung, gemeinsame Werte und vieles mehr hervor. Beispiel für Communities heutzutage im Web sind einschlägige Online-Magazine und deren Foren, wo wirklich bestimmte Interessensgruppen aufeinander treffen. Oder als Community würde ich auch Singlebörsen sehen, wo mit einer Anmeldung Interesse an der Partnersuche kund tut. Selber bin ich bei keiner Online Community aktiv. Plattformen wie Facebook oder Twitter sind meiner Meinung einfach schon zu groß sind um in der Gesamtheit noch von “Community Building” oder von Gemeinsamkeiten aufgrund der Mitgliedschaft der User zu sprechen. Vielmehr habe ich den Eindruck, eine solch riesige Social Media Plattform wie Facebook bildet eine Art Grundstein, welche Community Building ermöglicht. Facebook ermöglicht wie in anderen Themenbereichen dieses Blogs schon erwähnt, eine Selbstdarstellung des Individuums. Dieses Individuum schmückt sich dann durch Zuurdnung zu unterschiedlichen Gruppen, Veranstaltungen oder durch unterschiedlichste “Gefällt mir-Angaben” und erst da passiert für mich “Community Building”, als Teilbereich von Facebook. Genau dort finden sich durchaus wieder Menschen mit denselben Interessen, welche die Möglichkeit bekommen sich auszutaschen. Der Begriff “Network Individualism”, bei dem die Rede von vernetzten Individuen und nicht von der Teilnahme in fixen Gruppen die Rede ist, erscheint mir teilweise plausibel, denn Social Media Plattformen erleichtern einem den Kontakt zu einer großen Anzahl von Menschen, die ohne solchen Systemen schon längst in Vergessenheit geraten wären. Facebook ermöglicht einem einen losen Kontakt zu vielen Menschen zu halten. Man ist also selber im Zentrum des Handelns und entschließt wen man wie einbindet. Durch die Macht fast alle Informationen zu jederzeit an jedem Ort zu bekommen gewinnt das Individuum an Unabhängigkeit. Aber völlig ohne Gruppenzuteilungen auszukommen scheint mir zu weit zu gehen, denn der Mensch fühlt sich wohl mit Kategorisierungen und ordnet sich gerne wo zu.
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